• P. Aibéo

Bauhaus Kolleg: das günstigste Reisebüro Europas für Arbeitslose!


Bauhaus Kolleg ist ein einjähriges postgraduates Programm, das jährlich von der Stiftung Bauhaus Dessau angeboten wird. Es werden jedes Jahr ca. 20 Architekten und Städtebauer sowie Postgradiuerte anderer Fachrichtungen aus der ganzen Welt angenommen. Man zahlt nichts, erhält einen großzügigen Arbeitstisch mit Mac-Rechner im Weltkulturdenkmalgebäude der Bauhaus Stiftung und einen Wohnraum in der Heidestrasse für nur 60 Euro im Monat. Inklusive einer Reinigungskraft, die wöchentlich für Ordnung sorgt. Traumhaft! Manche bekommen sogar ein Stipendium, so wie ich.

Die Bauhaus Stiftung übernimmt alle Material- und Reisekosten. Alle Studierenden und Lehrkräfte haben die Möglichkeit weltweit zu reisen. Dieses Jahr ging es nach Mexiko und Großbritannien, jeweils für zwei Wochen. Dort wird analysiert und interveniert. Zum Schluss wird eine Forschungsarbeit abgegeben, die aus vielen bunten Grafiken, Pfeilen, Kästchen und Kreisen besteht, die vom schwachen wissenschaftlichen Gehalt ablenken sollen. Hauptsache es ist für Normalsterbliche unverständlich. Ich weiß das sehr gut, da ich selbst Diplom-Bauingenieur und Diplom-Architekt bin und an diesem Programm teilnahm. Nach dem ersten Semester stieg ich aus. Wie einige andere. Dieses Jahr waren es schon drei.

Warum kommen Studenten hierher? "Alle meine Kommilitonen in Indien wissen von der schlechten Qualität dieses Programms, trotzdem machen wir es mit, um ein Visum zu erhalten und durch Europa zu reisen und weil der Name Bauhaus für viele einfach nur gut im Lebenslauf aussieht." (ein Teilnehmer des Bauhaus Kollegs aus Indien). Einige kommen weil sie arbeitslos sind, weil sie eine Auszeit vom ihrem normalen Leben brauchen. Andere, die Minderheit, kommen, weil sie an die Qualität des Bauhaus Programms glauben. Meines Wissens waren es dieses Jahr 3 von 20 Teilnehmern. 2 davon gaben auf, mich inklusive.

Die Teilnehmer haben kaum Kontakte zu Dessauer Einwohnern. Aus dem Bauhaus-Team sind fast alle Pendler aus Leipzig und Berlin. Bauhaus Stiftung scheint Dessau den Rücken gekehrt zu haben. Das war ganz sicher nicht das Ziel von dessen Gründer, Walter Gropius, der an gemeinsamen Veranstaltungen und Programmen mit Dessauer Einwohnern und Studenten interessiert war. Was auch erstrebenswert ist. Bürger müssen darüber informiert sein, was in ihrer Stadt und ihrem Land passiert.

Demokratie lebt von der aktiven Mitbeteiligung dessen Bürger. Bildung ist in diesem Sinne essenziell. Sie ermöglicht Menschen ihre Perspektiven und Gedanken zu öffnen und Information zu filtrieren. Besonders wichtig in einem Zeitalter, in dem wir von unterschiedlichen Meinungen von hundert Fernsehkanälen, Radio, Zeitungen, Blogs, YouTube, usw. überflutet werden. Wenn Bauhaus sich elitär entwickeln will, muss es mit Isolation rechnen. Die Arroganz und Exklusivität in der Bildung sind ein Fehler, den bereits die alten Griechen gemacht haben und aus dem wir hoffentlich etwas lernen können.

In einer Stadt wie Dessau, die mit Haushaltskürzungen kämpft, investiert Sachsen-Anhalt weiterhin in die Bauhaus Stiftung, die wiederum das Geld für ein Bildungsprogramm für Studenten ausgibt, die sich die meiste Zeit sich mit Urlaubsreisen, Lebenslaufupdates, Chatten, Youtube, Facebook und anderen Projekten außerhalb des Programms beschäftigen. Ab und an auch mit dem postgradualen Programm selbst. Die Vorträge für die Studenten zeigen uns als Architekten kaum etwas Neues und wiederholen sich inhaltlich teilweise 1 zu 1. Die Interventionen im Ausland sind, laut Studenten, peinlich. Unpünktlichkeit, Lügen und Geheimnistuerei stehen bei dem Team des Bauhaus Kollegs an der Tagesordnung.

Ich persönlich möchte nicht schweigen um den Namen „Bauhaus“ in meinen Lebenslauf schön und makellos zu erhalten. Bildung ist viel zu wichtig und viel zu teuer, dass wir uns so ein schlecht aufgebautes Programm erlauben könnten. Die einzigen kurzfristigen Vorteile dieses Kurses sind für die Lehrkraft und das Organisationsteam die Gehälter, Finanzierung interessanter Reisen und häufig die Veröffentlichung eines Buches, das sich im Lebenslauf gut macht. Wen interessiert das schon, dass der Inhalt von den Studenten zusammengestückelt wurde.

Pedro Aibéo 03. Juni 2010

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